Leah Hautermans

Alter: 27 Beruf: Freie Fotografin und Journalistin Wohnort: Düsseldorf/Oxford Geburtsort: Aachen

(Deutsche Fassung weiter unten)

I was lucky. I have led a very privileged life as a child and as a teenager. When I was little, my mother bought me books with strong female heroines, books that often questioned the stereotypical gender roles. I have a very supportive family and being a girl was never a hindrance in that environment. I had been given the opportunity to follow my dreams. I got to go to an art academy and get a degree in photography.

So it was only when I was in my early 20s that I realised feminism wasn’t just an outdated term of the 1970s but indeed something that is still as much needed today as is was back then. I’ve encountered everyday sexism. I think it’s safe to say that every woman, cis or not, has. There’s street harassment, the occasional grabbing of your behind and the fact that as a female you have to plan your way home at night to avoid certain unsafe areas.

However, my upbringing apparently didn’t protect me from experiencing inequality even as a child. When I was ten years old, I answered a school assignment with the following words: “I don’t like being a girl because people always think girls are always sweet and good-natured. And many people say girls are fearful and stupid.” As a young female photographer, you’re not being taken seriously. When I was doing a photo shoot in public, holding my camera in my hands, people asked me where the photographer was. When I was covering events for a newspaper, people only noticed and responded to my male colleagues.

We all experience inequalities in our lives, sometimes they appear to be so natural that at first you don’t even realise them yet.

I hope that by giving the platform to talk about those experiences you, the reader, might become more aware of it as well. We have not reached gender equality just yet. Think about your privilege. I know it’s uncomfortable, I’ve been there as well. It took me way too long to fully realise quite how privileged I am – but as they say, privilege is invisible to those who have it. There is still so much that needs to change. There are so many girls and women who are denied the most basic human rights. Think about what you could change.

Without feminism, we wouldn’t be able to vote today, to go to work, to make decisions over our own bodies. And we still haven’t reached gender equality yet. According to a recent study it will take us 170 more years to get there. Feminism is as important as it was 100 years ago, but most people see it as outdated, too radical, too exclusive, too …

That’s why I decided to start “Faces of Feminism”. This project aims to show the world how feminists look like, how everyone can have a view on feminism, how feminism can be expressed in so many different ways whilst still aiming for the same goal: equality for men and women and everyone in between.

This is not a complete representation of contemporary feminism and is not pretending to be. It couldn’t be even if there were thousands of feminists presented on here, since every feminist has made their own experiences and has their own view on it. Feminism is dynamic and changing with time.

Because of the prominent figure that is Alice Schwarzer I felt like feminism needed a new face in Germany. Or to be more precise: faces, plural term. Because feminism isn’t just about one person. It’s a movement, it’s inclusive and intersectional. The book I wrote and on which this website is based on marks the beginning of exploring this movement and its participants. I met the feminists who came forward when I posted an appeal on Facebook. I hope to meet many more in the future.


Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt. Ich hatte eine äußerst privilegierte Kindheit und Jugend. Als ich klein war, hat mir meine Mutter Bücher mit starken Heldinnen zu lesen gegeben, Bücher, die die stereotypischen Rollenbilder in Frage stellten. Ich habe eine Familie, die mich in allem unterstützt. In diesem Umfeld war es für mich nie ein Hindernis, dass ich weiblich bin. Ich durfte meine Träume verwirklichen, ich konnte an einer Kunstakademie studieren und dort meinen Abschluss in Fotografie machen.

Daher dauerte es etwas, bis ich den Feminismus für mich entdeckte. Bis ich erkannte, dass der Feminismus nicht nur ein veraltetes Relikt aus den 1970ern ist, sondern etwas, das wir heute noch genauso brauchen wie damals. Als junge Frau habe ich meine Erfahrungen mit Alltagssexismus gemacht, so wie es vermutlich jede Frau tagtäglich erlebt. Verbale Belästigung auf den Straßen, das gelegentliche Betatschen des Hinterns auf Partys, die Tatsache, dass man nachts seinen Heimweg plant, um unsichere Orte zu vermeiden, sind nur einige Beispiele dafür.

Dass ich so behütet aufgewachsen bin, hielt mich aber trotzdem nicht davon ab, als Kind bereits Ungleichheit zu bemerken. Als ich zehn Jahre alt war, habe ich eine Schulaufgabe mit folgenden Worten beantwortet: „Ich bin nicht gerne ein Mädchen, weil: Mädchen fast immer als lieb befunden werden und weil viele Leute sagen, Mädchen wären ängstlich und dumm.“ Als junge Fotografin wirst du nicht ernst genommen. Als ich ein Fotoshooting in der Öffentlichkeit machte, wurde ich gefragt, wo denn der Fotograf sei, während ich meine Kamera noch in der Hand hielt. Bei diversen Terminen für die Zeitung sind die Leute nur auf meine männlichen Kollegen eingegangen. Wir alle erleben Ungleichheiten in unserem Alltag und manchmal erscheinen sie uns so natürlich, dass wir sie zunächst nicht bemerken.

Auf dieser Website werden viele dieser Ungleichheiten angesprochen. Ich hoffe, dass dadurch auch Dir diese Ungleichheiten verstärkt auffallen werden. Wir haben die Geschlechtergleichberechtigung noch nicht erreicht. Denke über Deine Privilegien nach. Ich weiß, dass das unbequem ist, auch ich habe das durchgemacht. Es hat zu lange gedauert, bis ich verstanden habe, wie privilegiert ich bin – aber wie heißt es so schön, Privilegien sind unsichtbar für diejenigen, die sie haben. Es gibt noch so viel, das verändert werden muss. Es gibt noch so viele Mädchen und Frauen, denen die grundsätzlichsten Menschenrechte vorenthalten werden. Denke darüber nach, was Du verändern kannst.

Ohne Feminismus könnten wir Frauen heute nicht wählen oder arbeiten gehen oder Entscheidungen über unsere eigenen Körper treffen. Und der Kampf ist noch nicht vorüber. Einer aktuellen Studie nach wird es noch weitere 170 Jahre dauern, bis wir gleichberechtigt sind. Feminismus ist heute genauso wichtig wie noch vor 100 Jahren, aber er wird als überholt angesehen, als zu radikal, zu exklusiv …

Deswegen habe ich „Faces of Feminism” gestartet. Ziel meines Projektes ist es, der Welt zu zeigen, wie Feministen_innen aussehen, wie jede_r verschiedene Definitionen des Feminismus haben kann, wie verschieden sich Feminismus äußern kann, während man auf das gleiche Ziel hinarbeitet: die Gleichberechtigung von Männern und Frauen und allen dazwischen.

Dies ist keine vollständige Darstellung des zeitgenössischen Feminismus und gibt es auch nicht vor. Es könnte auch keine sein, selbst wenn tausende Feminist_innen hier vorgestellt würden, da jede_r Feminist_in ihre_seine eigenen Erfahrungen gemacht hat und ihren_seinen Feminismus unterschiedlich artikuliert und lebt. Feminismus ist dynamisch und verändert sich mit der Zeit.

Alice Schwarzer verkörpert für viele den Feminismus in Deutschland. Meiner Meinung nach braucht der Feminismus ein neues Gesicht. Vielmehr: mehrere Gesichter. Denn Feminismus ist nicht nur eine Person. Er ist eine Bewegung, er ist inklusiv und intersektional. Das von mir zusammengestellte Buch, auf welchem diese Website basiert, soll der Beginn einer Erkundungsreise durch diese Bewegung und seine Anhänger_innen sein. Ich habe Feminist_innen getroffen, die sich auf meinen Aufruf in den sozialen Medien hin gemeldet haben. Ich hoffe, in Zukunft viele weitere zu treffen.

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