Sibylle Keupen

Alter: 53 Beruf: Geschäftsführerin der Bleiberger Fabrik Wohnort: Herzogenrath Geburtsort: Mayen 

Foto: Anette Berns

Was ist Feminismus für dich?

Eine starke Kraft, die Frauen unterstützt für ihre Rechte und Potenziale einzutreten und sich solidarisch für eine Welt ohne Diskriminierung auf Grund des Geschlechts einzusetzen.

Wie äußert sich dein Feminismus?

Ich bin als Vorsitzende des Frauennetzwerkes StädteRegion Aachen politisch aktiv und trage zur guten Netzwerkarbeit unter Frauen bei. Netzwerken ist eine der wichtigsten Strategien der Frauenarbeit heute. Wir Frauen müssen uns gegenüber den männlichen Netzwerken behaupten und gegenseitig stärken. Dabei ist es wichtig solidarisch füreinander einzustehen. Die internationale Kampagne des „Women‘s March“ gibt weltweit Kraft und Power, weiter für die Frauenrechte einzustehen und sich nicht in ein traditionelles Rollenbild pressen zu lassen, wie rechtspopulistische Parteien es in ihren Programmen stehen haben.

Wann hast du dich zum ersten Mal bewusst als Feministin gefühlt? Gab es einen Auslöser?

Als junge Frau mit 16 Jahren, dabei hat mich die Frauenbewegung der 80er sehr inspiriert. Darüber hinaus waren wir im Jugendverband ein Netzwerk aktiver, politisch agierender Frauen. Diese Solidarität war sehr wichtig für mich und hat mich sehr darin bestärkt, meinen eigenen Weg zu gehen, unabhängig von den Plänen meiner Eltern. Die Entscheidung, Abitur zu machen und danach zu studieren, ist wesentlich durch die Frauenbewegung geprägt worden. In der Frauengruppe konnte ich wichtige Anregungen für meine Zukunftsplanung erhalten und mein Blick wurde erweitert für die Fragen der Frauenrechte.

Wie steht deine Familie zum Feminismus?

Meine Männer sehen diese Arbeit freundlich und kritisch. Sie kennen mich seit Jahrzehnten und wissen, dass die Frauenpolitik ein wichtiger Bestandteil meiner Person ist. Auf diesem Hintergrund streite ich im positiven Sinne mit einem Männerhaushalt (zwei Söhne und meinem Mann). Allerdings könnte ich ohne meinen familiären Background nicht so arbeiten, wie ich das heute mache. Die Familie gibt mir viel Rückhalt und Unterstützung.

Fühlst du dich in deinem Alltag gleichberechtigt?

Ja, im Grunde schon, da ich in einer Leitungsposition arbeite und hier einen großen Gestaltungsraum habe. Allerdings ärgere ich mich massiv über sexistische Werbung und Ungleichbehandlung von Frauen, wie z.B. die Situation der Alleinerziehenden oder die immer noch herrschende Entgeltungerechtigkeit. Besonders betroffen macht mich die drohende Altersarmut vieler Frauen, die jahrelang Familienarbeit geleistet haben und im Alter ohne ihren Partner arm werden…

Wie nimmst du den Ruf des Feminismus in Deutschland wahr?

Zurzeit erlebe ich besonders bei jungen Frauen ein starkes Wiederaufbegehren. Frauenpolitische Themen stehen wieder auf der Tagesordnung. Wie jüngst Fragen von z.B. Gender Marketing in den Tagesthemen behandelt wurden. Es gibt ein neues Bewusstsein für Genderfragen. Allerdings fehlt es immer noch an der echten Gleichberechtigung, etwa bei den Löhnen oder der Situation berufstätiger Frauen und der Frage der Kundenbetreuung.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s