Siri

Alter: 28 Beruf: Management Trainee Wohnort: Coburg Geburtsort: Mannheim

Foto: Siri

Was ist Feminismus für dich?

Eine Bewegung für Gleichberechtigung, Sicherheit und Selbstbestimmung im Leben für alle, die mit den Frauen begann, aber das gesamte Gesellschaftssystem umfasst/ ändern möchte.

Wie äußert sich dein Feminismus?

Information über soziale Medien verbreiten, Unterschriften leisten, Geld für Projekte spenden (beispielsweise Führerschein für Frauen in Afghanistan), an Aktionen von Planned Parenthood teilnehmen, Männer und Frauen im Alltag auf ihre sexistischen oder stereotypen Äußerungen und Privilegien hinweisen, auf meine eigene Ausdruckweise achten, Demonstrationen unterstützen, Bernie Sanders unterstützen, Nachforschung in der Politik über die Einstellung der Beamten/Parteien, männlichen Freunden ihre Weiblichkeit bestärken (Cocktails sind geschlechtsneutral, „Frauenjobs“ sind wichtig und dürfen auch von Männern gemacht und gemocht werden,…), Aufklärung über Verhütung und Periode bei Männern und wiederverwendbare Menstruationsprodukte bei Frauen.

Wann hast du dich zum ersten Mal bewusst als Feministin gefühlt? Gab es einen Auslöser?

Im Sinne von, dass ich eine Stimme für Frauen bzw. mich selbst sein möchte, um die 18. Als ich erwachsener wurde und mich nicht mehr so dem Ideal beugen wollte oder konnte und mehr hinterfragte habe, was mein Verhalten motiviert. Einen bestimmten Auslöser gab es nicht, eher ein schleichender Prozess, nach jahrelanger Belästigung im Alltag im öffentlichen und privaten Bereich, Forderungen an Aussehen und Verhalten von der Umgebung.

Wie steht deine Familie zum Feminismus?

Frauen stark dafür, Männer schweigen zu dem Thema, fühlen sich unwohl und wechseln das Thema oder stellen gezielt Fragen oder geben Kommentare ab, um selbst Absolution zu erhalten. Beispiel: Frauenfeindliches (schwulenfeindliches) Verhalten praktizierten nur andere Männer, weder sie selbst noch ihre Freunde, aber sie „glauben“ natürlich, dass die Probleme der Frauen wahr sind. Männer allgemein fühlen sich unglaublich schnell angegriffen und sind extrem selten bereit, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen oder sich in das Leben der Frau hineinzuversetzen.

Fühlst du dich in deinem Alltag gleichberechtigt?

Nein. In direkten oder indirekten Kommentaren, bei Begrüssung, Platzvergabe (am Rand, nicht am Tisch bei vollen Meetings) oder räumlicher Einnahme (auf Fluren muss immer die Frau ausweichen), Spitznamen („Kleine“), Belästigungen in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Ampeln, auf der Straße, Verteilung von Hausarbeit,…

Wie nimmst du den Ruf des Feminismus in Deutschland wahr?

Als gezwungen positiv unter Männern, man sei mit den Frauen, aber dann sollen sie auch „Witze“ nicht so ernst nehmen bzw doch bitte bei allem auf die männlichen Opfer Rücksicht nehmen. Je stärker eine Bewegung wird, desto stärker wird die Antibewegung, das ist ein normales Phänomen (z.B. Veganer vs plötzliche Fleischfanatiker). Bezogen auf Feminismus kann man sagen, dass er gesellschaftlich doch als gefordert gilt und aber dadurch Feindlichkeit gegenüber Weiblichem insgesamt nicht abnimmt. Stattdessen hat sich die Frauenfeindlichkeit im Verbalen mehr ins Subtile zurückgezogen (Witze, Kommentare, Online-Bilder/Webseiten). Und das positiven Worten keine Taten folgen müssen, da „Frauenpower“ zu sagen, doch schon Forderung genug sei und so Gleichgültigkeit von verachtendem Verhalten gegenüber Frauen im Alltag ignoriert werden könne. Das macht deutlich, dass Feminismus immer noch einen schlechten Ruf in den Köpfen hat. Auch gibt es das Phänomen, dass Feminismus nicht genug sei. Warum engagiert man sich nicht auch für XY, wenn einem Gleichberechtigung doch so wichtig sei. Immer wieder wird so die Lebensqualität der Frauen als unwichtiger hinuntergestuft. Keiner kann an allen Fronten kämpfen, aber von Frauen wird dies verlangt. Und das Ganze bitte auch ohne negative Emotionen, man müsse immer in die Zukunft blicken, alles verzeihen, nichts nachtragen, sonst kann man doch keine wahrhafte Gleichberechtigung erreichen. Wie Übermenschen dürfen Traumata und Wut und Hoffnungslosigkeit angesichts der Situation keinen Einfluss nehmen, sofort werden negative Gefühle des Individuums auf die Bewegung übertragen und so Feminismus als hasserfüllt und aggressiv veruteilt. Niemand verlangt das Vergessen und Vergeben der eigenen Erlebnisse oder die der vergangenen Hunderte Jahre von anderen Individuuen oder Gruppen, die systematisch misshandelt werden (Natives in gewissen Ländern, Schwarze in den USA, Juden in Bezug auf Deutschland, Palästinenser heute, ehemalige Kriegsgefangene, etc) so sehr, wie von Frauen.
Frauen äußern sich teilweise gezwungen negativ (Feminismus ist unnötig oder schlecht). I.d.R. welche, die sich mit dem Thema entweder nicht befassen wollen oder das seltene Privileg haben, ein behütetes Leben zu führen und nicht über ihren Tellerrand schauen, nicht wie es anderen ergeht oder wie sie selbst dieses Privileg überhaupt erhalten haben. Immer wieder höre ich auch, dass Frauen selbst es als Männerverachtung verstehen für sich und andere einzustehen oder versuchen, den Vorteil von Gleichberechtigung für Männer in den Vordergrund der Bewegung zu stellen. Es sollte ganz klar sein: Gleichberechtigung/Chancengleichheit und ein (sexuell) sicheres Leben verbessert jedes individuelle Leben und bringt mehr Harmonie in die Gesamtgesellschaft, aber es ist auch richtig, eine andere Gruppe zu unterstützen, wenn man selbst keinen Vorteil für sich sieht oder für sich braucht. Moral, Mitgefühl und Menschlichkeit allein sollten Grund genug sein, Männer als Unterstützer zu gewinnen. Solange Feminismus bereits daran scheitert, Anhänger zu gewinnen, nur weil sich etwas Weibliches in Namen (Fem) befindet, solange brauchen wir Feminismus und seine Werte dringend.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s