Silke Tamm-Kanj

Alter: 56 Beruf: Kooperationsmanagement-Leitung in Sozial- und Gesundheitsdiensten M.A. Wohnort: Aachen Geburtsort: Aachen 

Foto: Silke Tamm-Kanj

Was ist Feminismus für dich?

Feminismus bedeutet für mich eine Haltung und Position für die gleichen Rechte und für die tatsächliche Chancengleichheit von Mädchen und Frauen in allen Lebensbereichen zu haben und bei der Umsetzung aller Maßnahmen bzw. Handlungen dies zu berücksichtigen.

Wie äußert sich dein Feminismus?

Indem ich bei allen Dingen, die ich tue, immer gedanklich nachfrage, welche Auswirkungen das für Mädchen und Frauen hat. Die Kernfrage ist hierbei für mich: Was ist zielführend, um der Benachteiligung, Gewalt und struktureller Diskriminierung von Frauen und Mädchen entgegenzuwirken, damit für sie die Voraussetzungen und Chancen für ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben geschaffen werden? Hierbei hinterfrage ich auch die Position und das Rollenverständnis von Jungen und Männern kritisch, denn auch ihre Haltung muss echte gleichberechtigte Partnerschaft tragen und fördern.

Wann hast du dich zum ersten Mal bewusst als Feministin gefühlt? Gab es einen Auslöser?

Ich bin mit zwei älteren Schwestern aufgewachsen, die inspiriert durch die 68-iger Jahre viele Themen, auch feministische Themen, mit nach Hause brachten. Ich fand die Auseinandersetzung in unserer Familie spannend und sicherlich hat mich das auch geprägt. Aber ich hatte auch eine starke Großmutter und Mutter. Sehr früh war mir klar, welche Bedeutung materielle Unabhängigkeit für Frauen hat und habe dies stets in meinem Leben verfolgt und so gelebt. In der Hochschule habe ich Vorlesungen zum Feminismus besucht, was mich in der Auseinandersetzung mit Theorien und Wissenschaft zum Feminismus und Gender sehr geprägt hat.

Wie steht deine Familie zum Feminismus?

Als ich meinen Mann kennengelernt habe, war ich bereits Feministin. Er hat dies stets unterstützt, mich gestärkt und solidarisch, partnerschaftlich mit mir gemeinsam unser Familienleben aufgebaut und getragen. Unsere Kinder sind so aufgewachsen. Diese Art der Partnerschaft, auch Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Elternteile, ist für sie Alltag mit all den Hürden und Auseinandersetzungen hierbei.

Fühlst du dich in deinem Alltag gleichberechtigt?

Sicherlich ist in den letzten 40 Jahren viel erreicht worden, aber wenn wir Karriereverläufe von Frauen und Männern vergleichen, so ist die strukturelle Diskriminierung klar erkennbar. Gewaltopfer sind nach wie vor Frauen, Frauen verdienen immer noch weniger als Männer / EqualPayDay. Frauen fehlen in Führungspositionen und Aufsichtsräten, die Altersarmut ist weiblich und auch die Situation der Alleinerziehenden ist überwiegend durch ungesicherte Erwerbseinkommen und mangelnde eigenständige Existenzsicherung geprägt. Frauenrechte werden immer wieder, auch heute, in Frage gestellt. Trotz all dem Erreichten können wir nicht sicher sein, dass diese Rechte bleiben oder politische Kräfte eine Rollback-Politik verfolgen.

Wie nimmst du den Ruf des Feminismus in Deutschland wahr?

Erfreulicherweise ist gerade durch das Internet Feminismus wieder präsenter. Die Diskussionsform hat sich verändert. Lange Zeit dachten wir, dass junge Frauen sich nicht für Feminismus interessierten, doch durch die neuen sozialen Medien wird erkennbar, dass Feminismus im Netz präsent ist. Interessante Beiträge oder Aktionen werden „geteilt“ und erreichen somit Gruppen und Personen, die sonst nur schwer zu erreichen waren. Ich glaube, dass viele erkannt haben, dass Feminismus verteidigt werden muss; es ist ein Menschenrecht.

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