Monika Scheider

Alter: 27 Beruf: Studentin (Literaturwissenschaften / Kommunikationswissenschaften) Wohnort: Berlin Geburtsort: Mönchengladbach

Foto: Daniel Staemmler

Was ist Feminismus für dich?

Feminismus bedeutet für mich Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Frauen, in allen Lebensbereichen – politisch, gesellschaftlich und auch privat.

Wie äußert sich dein Feminismus?

Feminismus äußert sich in meinem Privatleben besonders durch Selbstbestimmung. Mir ist es wichtig, jederzeit eine absolute Entscheidungsfreiheit und Chancengleichheit zu besitzen. Das heißt, dass ich alles erreichen und machen kann, was ich möchte – völlig egal, was da zwischen meinen Beinen ist. Ich will einen Beruf, in dem ich gleich viel verdiene wie mein männlicher Kollege und den gleichen Respekt erhalte. Ich will morgens entscheiden, ob ich Lust habe Mascara zu tragen oder lieber Augenringe. Ich will in der Disco den kürzesten Rock der Welt tragen und trotzdem von niemanden angegafft oder gar angefasst werden.

Wann hast du dich zum ersten Mal bewusst als Feministin gefühlt? Gab es einen Auslöser?

In meinem ersten Semester an der Uni wurde ich auf einer Party von einem Typen extrem aufdringlich angetanzt. Ich habe versucht, die Situation elegant zu lösen und ihm aus dem Weg zu gehen. Als er einfach nicht aufhören wollte, mich mit seiner Hüfte zu bedrängen, habe ich ihn letztendlich gepackt und laut die Meinung gesagt. Er meinte nur, ich solle mich nicht so anstellen, ich würde ja schließlich aufreizend tanzen, und hat mich dann als „Scheiß Feministin“ beleidigt. Das war das erste Mal, dass ich so richtig bewusst mit dem Wort in Berührung gekommen bin. Ein paar Jahre später ist Josephine Witt barbusig in der Weihnachtsmesse auf den Altar im Kölner Dom geklettert, um für die Gleichheit aller Menschen zu demonstrieren. Ihre Protestaktion hat mich damals so beeindruckt, dass ich angefangen habe mich mit dem Thema Feminismus auseinanderzusetzen.

Wie steht deine Familie zum Feminismus?

Meine Mutter gehört zum Glück zu einer Generation, die mit der Emma aufgewachsen ist. Für sie selbst war es als Kind schwierig zu verstehen, dass Mädchen brav und adrett sein müssen, während die Jungs draußen toben und auf Bäume klettern durften. Für sie ist Selbstbestimmung unglaublich wichtig. Von daher haben meine Schwester und ich eine sehr feministisch geprägte Erziehung genossen. Meiner Mutter hat uns vermittelt, dass wir uns nicht vor Männern klein machen und ducken, sondern selbstbewusst durchs Leben gehen.

Fühlst du dich in deinem Alltag gleichberechtigt?

Ich habe letztes Jahr eine Zeit lang in einem Beruf gearbeitet, der von Männern dominiert ist. Oft musste ich erfahren, dass Menschen lieber mit meinem männlichen Chef gesprochen haben, als sich etwas von einer jungen Frau sagen zu lassen. Obwohl mein Auftreten nicht unbedingt schüchtern und zurückhaltend ist, haben mich einige Männer in meiner Position einfach nicht ernst genommen. Um sich dann Respekt und Gehör zu verschaffen, muss man oft laut und hart werden. Meine Arbeitskollegin hat besonders darunter gelitten, da sie ein sehr höflicher und netter Mensch ist, dem es schwer fällt, beharrlich die Meinung zu sagen. In meinem Privatleben sieht es zum Glück anders aus. Wir sind ein bunter Freundeskreis mit allen Geschlechtern, sexuellen Orientierungen und Haarfarben, in dem jeder gleichwertig ist. Für uns zählt der Charakter und der Mensch an sich. Das Geschlecht der jeweils anderen Person spielt dabei keine Rolle.

Wie nimmst du den Ruf des Feminismus in Deutschland wahr?

Es gab eine Zeit, da habe ich „Du Feministin“ meistens als Schimpfwort gehört. Ebenso wie „Emanze“ oder „Kampflesbe“. Leider gibt es auch immer noch viele Menschen, die es ekelhaft finden, wenn Frauen öffentlich über ihre Periode sprechen, Achselhaare sprießen lassen und sich nicht jeden Tag das Gesicht anmalen. Jedoch gibt es aber gerade durch das Internet auch eine frische feministische Bewegung, angeführt von Frauen wie zum Beispiel Margarete Stokowski, Anne Wizorek oder Laurie Penny. Junge, dynamische und teilweise wütende Frauen, die immer noch für ihre Überzeugung der Gleichberechtigung kämpfen – egal, ob sie dafür als „hysterisch“ beschimpft oder als „Emanze“ beleidigt werden. Ich habe das Gefühl, dass das Thema Feminismus in Deutschland immer publiker wird – man könnte schon fast von einer Trend-Bewegung sprechen. Leider bedingt das auch wieder, dass sich einige Menschen „feministischer“ sehen als andere und die Trend-Mitläufer belächeln. Mir ist es total egal, ob diese Menschen nur einem Trend folgen oder von selbst auf diese Überzeugung gekommen sind – solange wir alle für das gleiche Ziel kämpfen, ist alles gut.

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