Agnes

Alter: 56 Jahre Beruf: Geschäftsführerin Frauennotruf Aachen (seit Sommer 2017 RückHalt e.V., Aachen) Wohnort: Aachen Geburtsort: Gerolstein

Foto: Frauennotruf Aachen

Was ist Feminismus für dich?

Feminismus hat für mich in erster Linie eine politische Bedeutung: nämlich eine gesellschaftliche Situation herzustellen, zu fordern und zu unterstützen, die für Frauen und Männer die Gleichberechtigung in allen Belangen des öffentlichen und privaten Lebens gewährleistet. Frieden und die Garantie von Menschenrechten sind dafür sehr wichtige Grundlagen, teilweise auch überhaupt Voraussetzung. Feminismus ist ein Thema für Frauen und Männer.

Wie äußert sich dein Feminismus?

Ich arbeite seit genau 20 Jahren im Aachener Frauennotruf – einer Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt – und engagiere mich, genau wie in der StädteRegion Aachen, auch auf Landesebene als Sprecherin des Landesverband autonomer Frauen-Notrufe NRW e.V. besonders für die strukturelle Verbesserung von sexualisierter Gewalt betroffener Frauen und Mädchen. Hinzu kommt der wiederkehrende Kampf um öffentliche Fördermittel, mit denen die Arbeit gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen endlich strukturell und finanziell abgesichert werden muss. Ich thematisiere frauen- und gesellschaftspolitische Themen im Freundes- und Bekanntenkreis, beteilige mich an öffentlichen Aktionen für Frauen- und Menschenrechte, spende gezielt Verbänden und Vereinen, die diese Themen in der Öffentlichkeit halten, die sich für Frauen in Kriegs- und Krisengebieten einsetzen und ich bin mit vielen Frauen und Männern aktiv vernetzt. Ich bin aufmerksam und vertrete meine Meinung für Gleichberechtigung, Menschenrechte und Frieden.

Wann hast du Dich zum ersten Mal bewusst als Feministin gefühlt? Gab es einen Auslöser?

Es ist eher eine Anekdote: Vor rund 25 Jahren habe ich mich telefonisch über eine freie Stelle informiert. Als mir direkt zu Beginn die Frage gestellt wurde „Ja, wissen Sie denn überhaupt, was Feminismus ist?“, war mir sehr bewusst, dass ich Feministin bin, dass es aber sehr unterschiedliche Auffassungen und Haltungen gibt. Diese Stelle war keine Option für mich. ;-)

Fühlst du dich in deinem Alltag gleichberechtigt?

Grundsätzlich sehe ich mich in Deutschland in der Situation, dass es viele gesetzliche und geregelte Errungenschaften an Gleichberechtigung gibt, aber auch, dass es wichtig ist, diese im Blick zu haben, weiterzuentwickeln und weiter für den Erhalt einzutreten. Die Praxis und einzelne Situationen halten der Theorie oft noch nicht stand. Vor allem sehe und erlebe ich Sexismus, sexistische Werbung und sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit.

Wie nimmst du den Ruf des Feminismus in Deutschland wahr?

Mein Blick darauf ist sehr durch meine Arbeit bestimmt: Ich erkenne Feminismus als sehr breite, lebendige und spannende Bewegung. Feminismus gelingt es immer häufiger, die altbekannten Vorurteile gegen „Emanzen und Männerhasserinnen“ aufzulösen, zum Beispiel indem sich viele junge Aktivistinnen zu Wort melden, politisch und gesellschaftlich relevante Statements wie #ausnahmslos (Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall.) sich mit großer Geschwindigkeit verbreiten, diskutiert werden und Konsequenzen haben. Feminismus wird von vielen (wieder) als politische Kraft erkannt.
Ich hoffe sehr auf die weitere Stärkung des Feminismus im Schulterschluss aller Generationen und aller Geschlechter.

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