Sofia Wagner

Alter: 20 Beruf: Studentin Wohnort: Berlin Geburtsort: Köln

Foto: Sofia Wagner

Was ist Feminismus für dich?

Feminismus ist eine von Frauen gegründete Bewegung, daher das „fem-“ im Wort. Geprägt wurde sie durch vorbildliche Frauen, die bis heute schon unglaublich viel verändert und bewirkt haben. Ich persönlich verstehe darunter eine humanistische Bewegung, die sich für die Gleichberechtigung aller Geschlechter einsetzt, da z.B. Frauen noch in vielen Bereichen (Arbeit, Partnerschaften, Gesellschaftsbild) benachteiligt werden.
Für mich ist es keine radikale Bewegung, die sich, wie es z.B. im SCUM-Manifest von Valeria Solanas dargestellt wird, dafür einsetzt, das männliche Geschlecht zu unterdrücken. Meiner Meinung nach geht es um eine Kommunikation auf Augenhöhe, eine Gleichbehandlung und eine Denkweise, die von Gleichwertigkeit ausgeht zwischen allen Geschlechtern.

Wie äußert sich dein Feminismus?

Mein Feminismus äußert sich darin, dass, wenn ich eine Situation erlebe, in der ich mich nicht gleichberechtigt behandelt fühle oder in irgendeiner Form aufgrund meines Geschlechts benachteiligt werde, ich es zur Sprache bringe. Ich will es thematisieren, es zu einem (leider) immer noch aktuellen Thema machen und es nicht legitimieren.
Geschlechterrollen bestehen heutzutage immer noch und daher gibt es auch keine Gleichberechtigung. Mir ist es ein Anliegen, es zumindest in das Bewusstsein von Menschen zu bringen, die dies aktiv oder passiv fördern. Denn wenn ich zur Förderung des Vorurteilsbewusstsein von (ein paar) Menschen beitragen kann, dann kann sich meiner Meinung nach etwas verändern. Denn das Umdenken ist der Grundbaustein für die Verwirklichung des Feminismus, also einer Gleichberechtigung aller.

Wann hast du dich zum ersten Mal bewusst als Feministin gefühlt? Gab es einen Auslöser?

Ich denke, das begann unbewusst schon im Kindergarten, wo ich immer die nicht gleichberechtigte Behandlung von Mädchen und Jungs zum Thema machte (zumal ich zu dem Zeitpunkt noch nicht als „normales Mädchen“ eingeordnet wurde und mich auch nicht so fühlte). Außerdem haben meine Eltern und meine Schwester auch schon früh dazu beigetragen, mich mit feministischen Themen auseinanderzusetzen.
Dann in der Grundschule, wo immer nur nach den „starken Jungs“ gefragt wurde, wenn wir mal anpacken sollten. Mit 14/15 Jahren stöberte ich dann durch ein paar feministische Bücher (Bsp.: „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir).
Durch den Einstieg ins Berufsleben, ins Studium, durch meine erste Beziehung und auch durch die Konfrontation mit Vorurteilen gegenüber meinem Singledasein ohne Keuschheitsgürtel, verfestigte sich dann meine Identifikation als Feministin.

Wie steht deine Familie zum Feminismus?

Meine Mutter: „Und, was hast du heute im Kindergarten gemacht?“
Ich: „Ich habe heute wieder Mutter-Vater-Kind gespielt.“
Meine Mutter: „Schön, aber Sofia, es geht auch Mutter-Mutter und Vater-Vater.“
Mein Vater kocht, putzt, fragt mich, ob ich „verstöpselt“ bin, wenn ich meine Periode habe und ich habe noch nie einen sexistischen Kommentar aus seinem Mund gehört. Beide haben mir nie vorgeschrieben, wie ich als Mädchen zu sein habe oder wie ein Junge zu sein hat. Sie haben mich als Menschen genommen wie ich bin und darin bestärkt.

Fühlst du dich in deinem Alltag gleichberechtigt? 

Im Privatleben fühle ich mich (meist) gleichberechtigt.
Auf meiner derzeitigen Arbeitsstelle erlebe ich vom Arbeitgeber selbst keine Benachteiligung, soweit ich das überblicken kann. Allerdings erlebe ich häufiger einen objektifizierenden Umgang mir gegenüber von den Kunden.
In der Öffentlichkeit wiederum erlebe ich fast täglich Formen der sexuellen Belästigung oder muss mich sexistischen Diskussionen stellen. Außerdem höre ich sehr oft während Diskussionen: „Ja, aber du bist da auch eine Ausnahme! Du bist ja nicht so die klassische Frau!“. Also ich bin keine „normale“ Frau? Stimmt, ich bin ein Mensch, biologisch eine Frau und damit fühle ich mich wohl. Ja, ich entspreche nicht meiner Geschlechterrolle, aber ich möchte auch keiner Rolle entsprechen, ich möchte sein können wie ich bin, ohne, dass man mich z.B. wie eine wandelnde Vagina behandelt oder mir vorwirft, ich könne allgemein nicht rational denken oder rationale Entscheidungen treffen, aufgrund meiner Hormone!

Wie nimmst du den Ruf des Feminismus in Deutschland wahr?

Stöhn“, „Och nö“, „Nicht schon wieder diese Emanzenkacke“, „Aber heutzutage muss man sich doch wirklich nicht mehr beschweren“. All diese Aussagen verbinde ich mit dem Ruf des Feminismus in Deutschland. Es scheint mittlerweile völlig legitim zu sein, Geschlechter verschieden zu behandeln. Trotz der Frauenquote, der gleichgeschlechtlichen Ehe und verschiedener medialer Wellen, die Feminismus zu einem aktuellen Trendthema machen, hab ich persönlich das Gefühl, dass sich im Denken vieler Menschen noch nicht wirklich etwas verändert hat.

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